Über 300 Jahre Stellenbosch – ein Besuch im Dorfmuseum

Über 300 Jahre Stellenbosch – ein Besuch im Dorfmuseum

Vier Wohnhäuser aus vier verschiedenen Stilepochen machen die Geschichte und Entwicklung Stellenboschs sehr eindrücklich erlebbar.

Warum sieht Stellenbosch mit seinen hohen Gebäuden und breiten Straßen so vornehm aus? Wann und wie hat sich das historische Stadtbild entwickelt? Wie muss es sich vor 300 Jahren angefühlt haben, durch die Straßen Stellenboschs zu schlendern?

Mitten in der Stellenboscher Innenstadt, findet sich ein Museum, dessen Eingangsgebäude von außen ganz klein und unscheinbar wirkt. Auf wenig Raum sind dort ausgewählte Alltagsgegenstände ausgestellt, anhand derer sich die Entwicklung des Lebens in Stellenbosch seit seiner Gründung im Jahr 1679 bis in die heutige Zeit nachvollziehen lässt. Zusätzlich stehen geschichtliche Informationen in Form kurzer Videos zur Verfügung. Damit ist das Eingangsgebäude – verglichen mit dem, was noch auf uns wartet – tatsächlich sehr schlicht.

Was uns erwartet, ist ein Rundgang, der die Geschichte Stellenboschs tatsächlich erlebbar macht. Vier historische Häuser, aus vier verschiedenen Epochen stammend und noch immer erhalten, wurden beispielhaft möbliert und eingerichtet. Hausangestellte, die geschichtsgetreue Kleidung tragen, stehen zum Empfang an der Eingangstür bereit. Sogar die Gärten sind epochentypisch bepflanzt und hergerichtet.

Typisch Stellenbosch 1680 – 1720

Durch die Hintertür des Eingangsgebäudes gelangen wir, vorbei am ersten, überschaubaren und leicht verwilderten Garten, direkt ins Schreuderhuis. Erbaut im Jahre 1709, stellt es heute das älteste Wohnhaus Stellenboschs dar. Es überstand als einziges die verheerenden Großbrände in den Jahren 1710, 1804 und 1875 der historischen Stadt.
Im Esszimmer fällt auf, was sich in den weiteren Zimmern fortsetzen wird: kahle, weiße Wände. Spärliche Einrichtung. Schnörkellose, schlichte Möbel. Dadurch wirkt das Haus sehr primitiv, fast schon kalt. Neben dem Esszimmer können wir zwei Schlafzimmer und die Küche besichtigen. Spannend wird es, wenn die Einrichtung mit all ihren Details in Ruhe besichtigt wird. Eine Werkbank mit Werkzeug erzählt von handwerklichen Arbeiten. Die offene Herdstelle in der Küche steht zur Zubereitung von Speisen bereit. Und was sich in den Holztruhen verbirgt, bestimmt jeder Besucher selbst – vielleicht Stoffe, Decken oder Bücher?

Typisch Stellenbosch 1750 – 1790

© Stellenbosch Village Museum

Ein paar Schritte durch den historischen Garten führen uns zum Blettermanhuis, benannt nach dem ehemaligen Besitzer Hendrik Lodewyk Bletterman, der das Wohnhaus 1789 erbauen ließ. Schon von außen wirkt dieses Haus vornehmer als das vorherige. Es ist höher gebaut, besitzt ein oberes Stockwerk, sowie sechs Giebel. Als wir eintreten, fällt direkt die Weite auf, die durch die hohen Decken entsteht. Boden aus dunklem Holz, mit Ornamenten verzierte Möbel, sowie Gemälde an den Wänden lassen das Haus wohnlich wirken und auf wohlhabende Bewohner schließen. Zu besichtigen sind neben Wohnzimmer und Küche auch die getrennten Zimmer des Eigentümers und seiner Frau. Auf dem Bürotisch des Hausherren laden Tinte und Feder zum Schreiben eines Briefes ein. Im Zimmer seiner Frau hingegen befinden sich Vitrinen mit Porzellan.

Typisch Stellenbosch 1800 – 1830

Das Grosvenor Haus erreichen wir, indem wir die Straße überqueren. Erbaut wurde es von Christian Ludolph Neethling bereits im Jahre 1782. Allerdings fiel es einem der Brände Stellenboschs zum Opfer und besitzt sein heutiges Erscheinungsbild erst seit dem Jahre 1803, umgebaut durch die folgenden Eigentümer. Die Bauart – doppelstöckig und mit Flachdach – war in der damaligen Zeit sehr typisch, sowohl in Stellenbosch als auch in Kapstadt. Heute ist das Grosvenor Haus eines der drei letzten erhaltenen Patrizierstadthäuser Südafrikas.

Uns empfängt ein großzügiger, prunkvoll eingerichteter Wohnbereich, der im Erdgeschoss Zutritt zum Esszimmer, der Küche, den getrennten Schlafzimmer der Eltern, sowie zum Musikzimmer erlaubt. Zusätzlich können wir diesmal das Obergeschoss besichtigen, wo sich die Kinderzimmer befinden.
Eine kleine Besonderheit findet sich im Erdgeschoss. Auf engem Raum sind in einem der Zimmer Gegenstände aus der Zeit bis 1900 ausgestellt. Schreibmaschinen, Küchenutensilien, Kinderspielzeug, Reisekoffer und Fotoapparate lassen die Vergangenheit noch präsenter erscheinen. Gelegenheit, Geschichten fortzuspinnen, besteht bei einem kleinen Spaziergang durch den großzügig angelegten Garten, der sich hinter dem Grosvenor Haus befindet.

Typisch Stellenbosch 1836 – 1877

Die letzte Türe, die wir heute öffnen, verschafft uns Zutritt in das Haus des ehemaligen Polizeipräsidenten O. M. Bergh, und damit in die Zeit des 19. Jahrhunderts. Wir treten ein in einen schmalen Flur, von dem alle Zimmer abgehen. Bevor diese besichtigt werden können, gilt die Aufmerksamkeit den imposanten Jagdtrophäen an den Wänden. Die Wände sind mit bunt gemusterten Tapeten geschmückt. Außerdem verraten erste Fotografien, dass wir auf unserer Reise durch die Vergangenheit immer näher an die Gegenwart gelangen.

© Stellenbosch Village Museum

Zwar sind die Wohnverhältnisse im Haus von O. M. Bergh nicht mehr so ausladend wie zuvor. Dennoch verraten der massive Bürotisch oder die lange Tafel im Esszimmer einen gewissen Wohlstand. Im Obergeschoss können die Zimmer der Bewohner und deren persönliche Gegenstände besichtigt werden. Selbst im Kinderzimmer steht noch das Schaukelpferd aus Holz bereit. Erstmals kann in diesem Wohnhaus sogar ein Badezimmer besichtigt werden.

Damit sind wir am Ende des Rundgangs angelangt und befinden uns wieder auf den Straßen der Uni-Stadt Stellenboschs des 21. Jahrhunderts. Diesmal mit dem Bewusstsein, dass diese so schöne Stadt unglaublich viele Geschichten zu erzählen hat.

Bilder & Text © kapstadtmagazin.de

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